Amritsar

Publié le par Maria

Amritsar und sein goldener Tempel der Sikhs

Schon im Zugabteil machen wir Bekanntschaft mit einem “Turbanträger” :ein Sikhgläubiger, der eines der Symbole seiner Religion trägt : den kunstvoll drapierten Turban. Darunter versteckt sich eine Haartracht, die niemals eine Schere gesehen hat. Wir entdecken in Amritsar viele Spe-zialgeschäfte, wo man sich Turbane in allen nur möglichen Farben aus-suchen kann.
Nachdem wir uns kurz in unserem Guesthouse eingerichtet haben, bringt uns ein Fahrradrickschaw an der heiligen Ort der Sikhs : der Gol-dene Tempel. Man kommt in diese riesige Marmoranlage nicht nur gratis herein, es wird sogar Wasser, Essen und eine Unterkunft kostenlos an-geboten. Die Sikhs sind offen und freigiebig und wir entdecken unter den eher strengen Turbanen freundliche Gesichter und fühlen uns, obwohl wir die einzigen “Weissen” hier unter all den bunten Indern sind, freund-lich aufgenommen.
Nachdem wir unsere Schuhe abgegeben haben, unsere Schals um den Kopf geschwungen und die Füsse noch mal extra in ein Bassin getaucht haben (hier darf man nicht fusspilzanfällig sein), öffnet sich unser Blick auch gleich auf das Schmuckstück der heiligen Stätte : der goldene Tempel. Er thront in der Mitte eines rechteckigen Bassins, und seine Kuppel glänzt nicht nur wie Gold sondern ist auch aus Gold, und zwar 750 Kg pures. Der weisse Marmor der Alleen und der Gebäude mit Ar-kaden ringsum lassen den Tempel noch schöner erscheinen. Es herrscht eine aussergewöhnlich ruhige und friedliche Stimmung. Es handelt sich ja nicht um Besucher, sondern um “Gläubige”, die hier in den Alleen sich ausruhen oder diskutieren und sich im heiligen Wasser eine kurze spirituelle Reinigung holen, wobei die Männer alles auszie-hen (bis auf Lendenschutz). Sie behalten nur  den Turban, worin sie vo-rübergehend ihren Dolch (auch ein Sikhsymbol ) einstecken. Sie verwei-len einige Minuten in dem Wasser, den Blick und die gefalteten Hände auf den Tempel gerichtet. Dann kommen wir an kleinen Gebäuden vor-bei, wo Gurus  hinter einem Schaufenster in riesengrossen Büchern le-sen, oder einfach in einer meditativen Haltung sitzen. Man verbeugt sich, küsst Erde und macht sonst noch allerlei Gesten und gibt vielleicht  eine Spende in den dafür vorgesehenen Behälter mit einem über-grossen Schlitz. Die Hauptattraktion ist natürlich der Tempel selbst. Er erscheint uns von aussen nicht gerade gross, aber als wir ihn betreten, die verschiedenen Etagen, die reich ausgestatteten Innenräume  mit mehreren Seiten “Altären”  betreten, finden wir ihn sehr gross. Wie im Taj Mahal ist der Marmor mit Halbedelsteinen zu herrlichen Motiven (mogholischer Art) eingelassen.
Viele Sikhs treten in das heilige Gebäude ein, die meisten gehen nach einem kurzen Gebet und Verbeugung vor dem Guru auch bald wieder heraus, viele aber bleiben lange in den Gängen sitzen, lauschen der “Li-femusik” und den Gesängen, meditieren, beten aus kleinen Büchern, schlafen oder träumen vor sich hin. Wir gehören zu der letzten Katego-rie, denn wirklich, die Atmosphäre hier ist einladend spirituell, wenn wir auch von dem Glauben nichts verstehen. Den ganzen Tag wird hier oh-ne Unterbrechung (nur die Sänger werden alle Stunden abgewechselt) aus dem heiligen Buch der Sikhs aus dem Jahre 1604 vorgetragen, in Panjabi, einer der indischen Sprachen. Die Texte gehören zu den  er-sten heiligen Schriften der Welt, die von den Gründern der Religion noch zu deren Lebzeiten aufgeschrieben wurden.
Unter den Arkaden diskutieren wir mit einer jungen Sikhfrau, die sich Gedanken über die Vorteile und Nachteile einer arrangierten oder Lie-besheirat macht. Hier in Indien sind ja die meisten Hochzeiten von El-tern, guten Verwanden oder Freunden “arrangiert”. Die Mitgift spielt im-mer noch eine sehr grosse, für viele Familien dramatische Rolle, und die Stellung der Frau ist alles andere als gleichwertig mit den Männern. Die Sikh-Religion entstand im 15 Jahrhundert, sein Begründer ist der Guru Nanak. Er kritisierte unter anderem das Kastensystem und predigt “die Nutzbarmachung religiöser Weisheit im Alltag durch eine aufgeklärte Geisteshaltung.” (Wikipedia). 20 Millionen Sikhs gibt es in Indien.
So sieht eine Sikhfamilie aus.


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Publié dans marianna

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