Haridwar und Rishikesh

Publié le par Maria

Diese zwei Städte, beide am Ganges gelegen, sind Hochburgen der hinduistischen Pilger. Und da im Moment Sommerferien für die meisten Inder sind, herrscht hier Hochbetrieb.

In Haridwar kommen wir nach 5 Stunden Zugfahrt (ca. 200 km nördlich von Dehli) am Abend an. Wir flüchten gleich in eine Seitenstrasse ins nächste Hotel, denn auf der Hauptstrasse ist es kaum auszuhalten. Die Menschen strömen nur so zum Bahnhof hin oder vom Bahnhof weg. Alles Pilger, aus den verschiedensten Klassen (oder Kasten?), was ein total buntes Bild gibt : von der wohlangezogenen und wohlbeleibten Mittelklassefamilie bis zum Asketen, oder würde ich besser sagen Gammler, Vagabund,Aussteiger? in orangen oder gelben Tüchern, oft eher Lumpen gekleidet. Es sind dünne Männer, alle mit Bart und Turban oder sonstiger Kopfbedeckung. Sie wandeln mit einem Bündel auf der Schulter und einem Metalltopf in der Hand, der sowohl fürs Betteln als auch für Essen und Trinken dient, durch die Strassen oder sitzen im Schatten an Häuserecken herum. Bunte Frauengruppen mit wehenden Saris in den schönsten Farben weichen geschickt dem Verkehr aus, ich hab immer Angst, das die Schals in den Autos oder Motorrishschaws hängen bleiben. Nicht wegzudenken sind natürlich die Kühe, Kälber und auch die Stiere, die die Passanten mit ihren Hörnern manchmal aufspiessen wollen. Und, um das Bild abzurunden : die Unmenge an ratternden Rishshaws, Fahrrädern, Fuhrwerken und Autos, alle ohne Unterlass hupend! Die zahlreichen Geschäfte, besser Verkaufsbuden, Strassenrestaurants und die fahrenden Ost- oder gemüsestände säumen den Strassenrand. Hier in Haridwar gibt es ausserdem eine Überzahl von Spezialpilgerkitschprodukten, die grossen Anklang bei den Pilgern finden. Die meisten Inder verbringen in einem der "heiligen Städte" ihren Haupturlaub, denn jeder Hindu soll mindestens ein Mal im Jahr eine Pilgerfahrt machen, um sich im heiligen Ganges zu "reinigen", die Asche verstorbener Familienmitglieder auszustreuen oder einen speziellen Wunsch zu erbitten. Haridwar, wie auch Rishikesh ist deshalb von sogenannten "Ashrams" voll, das sind Pilgerunterkünfte,die meisten sehr preiswert, wo die indische Familie mit geringen Mitteln eine Woche verbringen kann.

Auch wir suchen uns am nächsten Tag einen "Ashram", aber einen eher "feudalen", im Lonely angepriesen. Er befindet sich einige Kilometer ausserhalb der lauten Stadt. In einem Marmorpalast kriegen wir in Zimmer für 12 Euro, Essen inbegriffen. Da wir aber immer noch unter Darm- und Magenverstimmungen leiden, macht das sehr typische Essen uns nur wenig an.

Ach, ja, ein ganz wichtiges Detail dieser heiligen Städte : hier gibt es nur vegetarische Kost, keine Eier und kein Alkohol!! Noch nicht mal Bier !!! Wie kann man es da lange aushalten !

Wir versuchen auch einen Yogakurs, aber der Lehrer denkt wohl, er hätte eine Altengruppe vor sich. Nicht interessant.

Da ist es am Gangesufer schon weitaus interessanter : hier findet nämlich jeden Abend vor Sonnenuntergang eine riesengrosse Zeremonie am "Har-ki-Pairi-Ghat

statt. Was ein Ghat ist, wisst ihr jetzt schon von Varanasi. Welche Menschenmassen sich aber hier an den Fluss drängen, könnt ihr Euch nur schwer vorstellen. Es sind vielleicht um die 20 000 oder auch mehr. Das bunte Bild der Menschen, die vielen Kerzen und Blumenkörbchen, teilweise auf dem hier noch blauen Fluss schwimmend, die Lieder, die aus Lautsprechern dröhnen und die mitsingenden Gläubigen, ganz vertieft in ihre Religion, ist für uns ein einmaliges Erlebnis, wenn wir es auch nur schwer nachvollziehen können, was die Menschen hierbei so bewegt.

Danach in der Dunkelheit in einem Rickschaw sitzend uns aus der Menschenmasse herauswinden, ist ein konkreteres Erlebnis für uns, und wir sind immer wieder froh, heile nach so einer Fahrt anzukommen.

In Rishikesh, die viel kleinere heilige Stadt, auch als Yogahauptstadt bezeichnet, entdecken wir in einem Ashramviertel ein ganz ruhiges Fleckchen, ohne Autos und Gehupe, Hier bleiben wir dann auch noch 4 Tage. Unser Erholungsbedürfnis ist immer noch sehr gross. Wir führen es zum Teil auf die grossen Höhenunterschiede zurück, die wir in der letzten Woche überwunden haben, so wie auf die Temperaturumstellung (hier ist es mindesen 40 Grad, von morgens bis abends) als auch auf unsere Darmprobleme. Abends am gemütlichen Ghat sehen wir den sich badenden und zelebrierenden Hindus zu. Wir kommen oft in Kontakt mit den Frauen oder jungen Mädchen, die uns zu einem Bad einladen, was wir aber dankend ablehnen. Sie lassen sich aber immer gerne fotografieren. Die Ashrams gleichen hier eher Kurvierteln : sie haben herrliche Innenhöfe, Skulpuren der Götter, eine kitschiger als die andere, Blumen und blühende Bäume. Die Menschen sitzen auf den Marmorbänken oder spazieren in den Alleen und gehen alle mit viel Ruhe und Gelassenheit ihren täglichen Bräuchen nach. Es gibt hier viele ayurvedische Apotheken und Massagezentren. Man müsste jedoch einen längeren Aufenthalt planen, um sich einer Kur zu unterziehen. Auch für`s Yoga ist es nicht der richtige Augenblick : es ist viel zu heiss.

 
So haben wir dann auch bald unsere Energie und unseren Unternehmungsgeist wieder aufgepäppelt. Wir buchen ein Nachtzugticket von Haridwar nach Amritsar, dort wo es den goldenen Tempel gibt.

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Publié dans maria

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