Die Transsiberische Eisenbahn
(Mittwoch, 13 bis Sonntag 17 sept) So, jetzt kann unsere Asienreise erst so richtig losgehen, denn für uns sind die 4 Tage und 5 Nächte in der Transsibirischen Eisenbahn der eigentliche Anfang unseres Abenteuers : langsam km für km den europäischen Raum verlassen und in den asiatischen Kontinent einreisen: das gleichmässige Rattern des Zuges wird zum zweiten Herzschlag; über hunderte von Kilometern sehen wir die Landschaft vorüberziehen, wir durchqueren immerhin das grösste Land der Erde. Das Zeitgefühl kriegt einen Knacks und unsere Bedürfnisse sind auf ein Minimum beschränkt, wir leben ja zu Viert in dem dreieinhalb Quadratmeter grossen Abteil (nur der Staub und der Dreck haben Maximalwerte). Es gibt 2 Toiletten, wovon aber nur eine für die tägliche Katzenwäsche geeignet ist. Ein kleiner Kohleboiler spendet ständig heisses Wasser und wir trinken viel Tee, und abends eine Gemüsebrühe. Unser Essvorrat reicht fast aus. Manchmal kaufen wir während der kurzen Aufenthalte an den russischen Bahnhöfen von den einheimischen Frauen mit ihren improvisierten Läden etwas zu Essen und zu Trinken. Während der 5 Tage mussten wir 5 Mal die Uhr vorstellen : Anna stellte sich auf die neue Zeit ein und ich blieb bei der moskauer Zeit. Aber eigentlich lebten wir eher nach alter Zeit, da die norwegische Reisegruppe 3 Mal am Tag nach Moskauer Zeit ins Restaurant zum Essen ging und wir wohl oder Übel diese Zeiten mitlebten. Alles recht verwirrend und als wir um 1 Uhr nachts nach moskauer Zeit am Baikalsee die Landschaft bewundern wollten, war es nach neuer Zeit schon 6 Uhr morgens, wir aber so müde, dass nach einem kurzen Blick auf den See (im Regen) wir gleich wieder auf unser 60 cm grosses Schlafgemach zurückfielen. An der russisch-mongolischen Grenze mussten wir mehrere Zoll- und Grenzkontrollen über uns ergehen lassen, und dies dauerte viele Stunden. Die russischen Zöllner durchsuchten sogar hinter den Decken und Wänden nach blinden Passagieren (wie damals in der DDR). Man hielt uns mit Ausfüllen von Formularen in Trapp und es hiess Geduld walten lassen. Aber wie schön war die Ankunft in das mongolische Land: die aufgehende Sonne über die leicht hügelige Berglandschaft, erste mongolische Yourten (Gers), weidende Schafe und Kühe (in Russland sahen wir fast keine Tiere). Nach den 6000 km Zugstrecke freuen wir uns auf das unbekannte Land.
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